Während zahlreicher Aufführungen hat sich gezeigt, dass Türkland über seinen artistischen Anspruch hinaus das Potenzial hat, weiterführende kultur- und gesellschaftspolitische Diskussionen anzustoßen und als Auftakt für eine Reihe weiterer (Online-)Veranstaltungen um den Themenkreis Migration, Integration, Flüchtlingswellen, (Kulturelle) Identität und Rassismus zu dienen. Daher sind nicht nur Nachgespräche zwischen den Künstlerinnen und dem Publikum nach jeder Performance zu einem festen Bestandteil des Programms geworden, sondern auch diverse neue Projektformate entstanden, die ein vielfältiges Publikum ansprechen, insbesondere aber Multiplikatoren der türkischen sowie der deutschen Gesellschaft erreichen sollen.
In Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium wird Türkland an Schulen gezeigt. Die Veranstaltungen finden online statt, zu Beginn wird die Performance „Türkland“ digital gestreamt (Dauer: 60 Min.). Im Anschluss gibt es ein Nachgespräch zwischen der Autorin und Performerin des Stück Dilşad Budak Sarıoğlu und den Schüler*innen und Lehrkräften geben (Dauer: ca. 2 Stunden).
Begleitend zu der Performance besteht die Möglichkeit, in Form eines Empowerment-Workshops die Eindrücke der Schülerinnen und Schüler aufzugreifen und zu vertiefen. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung werden in dem Workshop auch Räume zur Reflektion persönlicher Erfahrungen geschaffen.
Die Zusammenarbeit mit dem Künstlerkollektiv Türkland mit dem Land Hessen ist ein attraktives Angebot, Jugendliche über performative Mittel, filmische Darstellung und Literatur zu erreichen und sie anzuregen, sich mit der eigenen Identität und der eigenen Rolle in der Gesellschaft auseinanderzusetzen.
Das Projekt wird im Jahr 2023 im Rahmen des Programmes „Löwenstark – der BildungsKICK“ durchgeführt.
Mit der Schließung der Theater während der Pandemie haben auch wir nach neuen Darbietungsmöglichkeiten gesucht, und als das Konzept des “Online-Theaters” aufkam, mit der Unterstützung der Deutschen Botschaft in Ankara Türkland Digital in zwei Versionen gedreht, sowohl auf Türkisch als auch auf Deutsch-Türkisch. Bei der Premiere auf dem Youtube-Kanal der Botschaft am 07.05.2021 erreichte das Stück rund 2.500 Zuschauer an einem Abend.
Es war eine sehr aufregende Erfahrung für uns, als unsere Zuschauer in Deutschland und der Türkei das Stück zum ersten Mal gleichzeitig sahen und an dem Online-Publikumsgespräch im Anschluss an das Streaming teilnahmen.
Wir organisieren auch weiterhin zu verschiedenen Anlässen Online-Vorführungen auf unserem eigenen Youtube-Kanal. So entdeckten wir, dass wir ein Publikum in fast jedem Winkel der Welt haben und dass Türkland nicht nur eine “deutschtürkische”, sondern eine gemeinsame Geschichte aller Menschen ist, die sich auf die eine oder andere Weise nicht zugehörig fühlen.
In Zusammenarbeit mit der Internationalen Wein- und Spirituosenakademie (IWSA) haben wir am 10. Dezember 2019 gemeinsam mit unseren Zuschauern eine außergewöhnliche Theatererfahrung gemacht. Der Abend begann mit unserer Performance in den Räumlichkeiten der IWSA. Anschließend haben wir uns alle zusammen zu einem Essen an der WEDER TÜRKISCHEN NOCH DEUTSCHEN TAFEL getroffen, die inspiriert wurde von der Geschichte Türklands.
Die Chefköchin des “Mittag” Fatma Yıldırım tischte in mehreren Gängen Köstlichkeiten der türkischen und der deutschen Küche in einer neuen Fusion auf, und die Meister des türkischen Branntweins Rakı servierten eine Selektion an zu jedem Gang abgestimmten Rakı-Sorten, während sie mit unterhaltsamen Anekdoten die Hintergründe für ihre Auswahl erklärten. Wir verbrachten mit unserem Publikum einen genussvollen Abend, an dem wir beide Kulturen mit allen Sinnen erleben konnten.